Eine Nacht am Funtensee

Habt ihr eine sch├Âne Tour gemacht, oder m├Âchtet einfach euer Bergerlebnis mit anderen teilen? Dann passt das hier rein.
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BitPoet
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Interessen: Langstreckenwandern, Schreiben, Lesen, Kochen (und nat├╝rlich Essen...). Ja, ich bin ein Genussmensch :-)

Eine Nacht am Funtensee

Beitrag von BitPoet » 12. Jul 2020, 11:43

Was macht man in Corona-Zeiten, wenn erst kurzfristig feststeht dass endlich Zeit und Wetter f├╝r ein Wochenende in den Bergen passen, die H├╝tten aber rappelvoll gebucht sind, ohne Reservierung gar nichts geht und das Biwakieren auf dem Berg in Bayern jetzt im Zweifelsfall nicht mehr geduldet wird? M├Âglichkeit A: man sucht sich eine versteckte Ecke raus, packt schon mal pr├Ąventiv alles was man f├╝rs Cowboy-Camping auf 2000m braucht und nimmt sich fest vor, eine Ordnungswidrigkeit zu begehen. Oder M├Âglichkeit B: man hat verdammtes Gl├╝ck, es wird ein Bett auf der H├╝tte frei und man schnappt in letzter Minute zu.

M├Âglichkeit B klappt auch im Nachgang zur Planung f├╝r M├Âglichkeit A, bedeutet aber umpacken. Am Mittwoch Abend wurde pl├Âtzlich ein einzelnes Bett frei, das ich mir nat├╝rlich gleich geschnappt habe.

So hat mich meine "Saisoner├Âffnungstour" (wieder einmal) hoch zum K├Ąrlingerhaus am Funtensee gef├╝hrt.

Tag 1

Samstag um 04:30 Uhr klingelt der Wecker, was gef├╝hlt viel zu fr├╝h ist. Vielleicht h├Ątte ich doch schon vor 01:30 Uhr ins Bett gehen sollen, aber irgendwie hatte ich die Zeit aus den Augen verloren. Also schleppe ich mich nach einer Tasse Kaffee in die Dusche, was mich zumindest ein weniger wacher macht, stelle dann fest, dass ich die Semmeln f├╝rs Fr├╝hst├╝ck gestern offen liegen gelassen habe und sie jetzt steinhart sind, gehe die Packliste noch mal durch und r├Ąume in einem kurzen Anflug von Panik noch mal alles aus dem Rucksack - sinnloser Weise, denn die gesuchten Dinge sind alle drin - und erschrecke dann, weil es schon viertel vor sechs ist. Also rasch die Schuhe gepackt, den Arc Blast geschultert und runter ins Auto, vorbei am griffbereiten H├Ąufchen mit M├╝sliriegeln und Studentenfutter.

Die Stra├čen sind fast leer und ich rolle gl├╝ckselig den Bergen entgegen, verpasse wohl zehn B├Ąckereien entlang des Weges aber bin viel zu euphorisch, um mich dar├╝ber zu ├Ąrgern. F├╝nf vor acht parke ich am K├Ânigssee und sage der Parkster App Bescheid, dass ich zwei Tage hier stehenbleiben m├Âchte. Am Fahrkartenschalter an der Seel├Ąnde ist schon eine kleine Schlange, aber ich bekomme noch rechtzeitig mein Ticket nach St. Bartholom├Ą - einfach. Einfach? Ja, einfach. Sicher? Ja, ganz sicher. Ich bezahle die 8,40ÔéČ ganz coronatisch unkorrekt in Bar, damit ich die einssechzig R├╝ckgeld dann dem K├Ânigssee-Echo in die M├╝tze werfen kann. Nun, nicht dem Echo selbst, aber dem, der wie auf jeder Fahrt auf der H├Ąlfte der Strecke eine Melodie in sein Fl├╝gelhorn bl├Ąst, damit man das Echo h├Âren kann.

Ich komme auf das zweite Boot f├╝r diesen Tag. Die Fahrt ist ungewohnt. Es sind keine Japaner da, die mir beim Einsteigen mit den Selfiesticks auf den Kopf klopfen, und alle m├╝ssen die Maske auflassen. Auf meiner steht "Servus". Die k├Ânnte ich beim Wandern auflassen, dann k├Ânnten die Entgegenkommenden laut ablesen und m├╝ssten nicht so verbissen auf den Weg starren. Wir halten f├╝r eine Minute vor der Echowand um das Fl├╝gelhorn zu h├Âren, und bin froh f├╝r die Saiblinge und Karpfen im K├Ânigssee, dass man Ger├Ąusche von drau├čen im Wasser kaum h├Ârt. Sonst w├Ąre das wie Dynamitfischen, nur schlimmer. Die einssechzig geb ich ihm aber trotzdem. Immerhin herrscht eine romantische Stimmung ├╝ber dem See, denn die Sonne k├Ąmpft sich gerade durch den aufsteigenden Morgennebel.

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Dann bin ich endlich in St. Bartholom├Ą und die Wanderung geht los. Etwas neidisch gehe ich an Enten vorbei, die den Kopf unter den Fl├╝geln haben und sich auch von den paar Touris nicht wecken lassen. Schnell lasse ich den Anlegesteg hinter mir. Dieses mal bekomme ich keine nassen F├╝├če als ich ├╝ber das Geschiebe laufe. Der Auslauf des Eisbaches ist komplett trocken. Letztes Jahr im Juni ist hier noch gut Schmelzwasser geflossen und ging mir fast zu den Knien. Es geht noch ein St├╝ck parallel zum Ufer, dann f├╝hrt der Weg in Serpentinen hinein ins Schrainbachtal. Am Schrainbach-Wasserfall muss ich stehenbleiben und den Eindruck genie├čen, auch wenn ich hier schon zig Male vorbei gekommen bin. Das Wasser rauscht, um mich ist alles gr├╝n und die Zivilisation entschwindet (zusammen mit dem Mobilfunk-Empfang).

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Der Weg ist relativ trocken, und es liegt kaum Laub. Im Herbst kann das trockene Buchenlaub wie eine Seifenschicht sein und jeder Tritt muss extra vorsichtig gesetzt werden, aber dieses Mal geht es wie geschmiert hinauf. Ich ├╝berhole ein paar Tagestouristen und genie├če die saubere Waldluft. Es ist meine erste Tour dieses Jahr abseits der heimatlichen flurbereinigten Tristesse. Es ist nicht der Pacific Crest Trail, auf dem ich jetzt fast Halbzeit h├Ątte wenn Corona nicht dazwischen gekommen w├Ąre, aber einfach mal drau├čen zu sein ist ein Traum. Rundum ragen hohe Berge auf, meine F├╝├če f├╝hlen die Kanten der Felsen, und mein Kopf f├╝hlt sich daheim und sorgenfrei. Ich beige um einen Findling und stehe fast Auge in Auge mit einer G├Ąmse, die mich vorwurfsvoll anstarrt bevor sie den Hang hoch galoppiert und zwischen junge Tannen verschwindet.

Dann erreiche ich auch schon die Holzstube, eine abgeschlossene Ranger-H├╝tte mit einer Bank davor. Hier will ich jetzt erst mal ausgiebig fr├╝hst├╝cken - und zwar die M├╝sliriegel, die daheim auf dem Sideboard liegen. Bevor allerdings die Verzweiflung zuschlagen kann, springen mir zwei mickrige Fruchtriegel in die H├Ąnde, die ich zum Gl├╝ck schon am Tag zuvor eingepackt hatte, und zusammen mit dem halben Liter Apfelschorle werden mir die Kalorien schon f├╝r die 1200 H├Âhenmeter reichen. M├╝ssen. Immerhin bin ich nach einem 24g Fruity schnell wieder auf den Beinen und ├╝berquere den Schrainbach. Kurz bevor der Weg nach links zum Steilhang abbiegt komme ich an einem abgestorbenen und mit Baumpilzen bewachsenen Baum vorbei, und dieses Mal passen Licht und Wolken f├╝r ein Foto.

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Dann geht es nach link und zwischen zwei Steilh├Ąngen laaaange die Saugasse hoch. 32 Serpentinen, 40┬░ Steigung, 300hm auf nur 600m Entfernung. Hier rechnet man nicht mehr in m/s oder km/h. Nach einer Trinkpause und dem zweiten Fruity geht es weniger Steil weiter durch die fr├╝heren Weidegr├╝nde der Oberlahneralm, von der mittlerweile nichts mehr zu finden ist. Die Weiden hat sich die Natur mittlerweile komplett zur├╝ck erobert:

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Aber Weiden hin, Weiden her, es ist einfach verdammt sch├Ân hier oben. Der viel begangene und gut pr├Ąparierte Pfad windet sich immer weiter hoch, noch einmal in (flacheren) Serpentinen vom Ofenloch hinauf, und nach einer letzten Kuppe geht es auch schon die paar Meter hinab zum K├Ąrlingerhaus.

Das Team dort freundlich wie eh und je, auch wenn es im Vergleich zu fr├╝heren Jahren schon fast unheimlich still ist. Theke und Check-In-Tisch sind mit Plexiglas ummantelt, die Anmeldung dauert ziemlich lange bis alle Corona-Regeln erkl├Ąrt und gepr├╝ft sind. Die Waschr├Ąume sind nur nach Abholen des Schl├╝ssels zug├Ąnglich (nur 1 Haushalt auf einmal) und m├╝ssen wieder verschlossen werden, damit sie vor der n├Ąchsten Nutzung desinfiziert werden k├Ânnen. Duschen gibt es (ich sto├če einen kleinen innerlichen Jubelschrei aus) gar nicht. Waschen am Brunnen drau├čen ist aber jederzeit erlaubt, und das Wasser ist das gleiche wie das aus dem Hahn, also was solls. Ich hoffe, dass das schon mal einige der Dauern├Ârgler von einem H├╝ttenbesuch abschreckt. Lange besch├Ąftige ich mich aber nicht mit solchen Gedanken, denn der Kaffee ist hei├č und lecker, die Mohnschnitte ein Traum und die Aussicht von der Terrasse auf den vom Schottmalhorn ├╝berragten Funtensee wie immer ein absoluter Genu├č.

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Im Zimmer muss das eigene Leintuch verwendet werden (das aus Kunstseide hat sich beim Verwiegen daheim mit 440g als das leichteste gezeigt, ist allerdings 140cm breit, das ginge deutlich leichter) und endlich kommt mein seinerzeit relativ g├╝nstig erstandener Nordisk Oscar +10 mal zum Einsatz. Das Aeros Ultright Pillow in Large wird auch ausgepackt, und schon ist es richtig heimelig im Zimmer. Ich ├╝berlege noch, ob ich noch auf den Feldkogel oder Viehkogel rauf soll, entscheide mich aber stattdessen f├╝r noch einen Kaffee, ein Radler und meinen Kindle. Ob es angebracht ist, in den bayerischen Bergen Geschichten vom Continental Divide Trail zu lesen ist diskutabel, aber mein Kopf sagt ja.

Irgendwie vergeht die Zeit eh wie im Flug, und nachdem ich mich beim Abendessen mit drei G├Ąngen (Nudelsuppe, Tiroler Gr├Âstl mit Spiegelei und Bergen an Fleisch und Wurst sowie Quarkstrudel mit Vanillesau├če) so richtig vollgestopft habe - das Fr├╝hst├╝ck ist damit definitiv nachgeholt - falle ich p├╝nktlich zur Hiker Midnight in einen seligen Schlaf. Irgendwann, es ist noch ein wenig hell, kommen meine beiden Zimmergenossen an, aber das registriere ich dank Ohrst├Âpsel nur ganz peripher.

Um 2:00 Uhr wache ich kurz in Panik auf, aber die ├Âsterreichische Bergwacht steht nicht im Zimmer und will mich in Corona-Quarant├Ąne bringen, und meine Corona-App klingelt auch nicht wirklich wie der Big Ben, also war das nur ein dummer Traum. Ich drehe mich auf die andere Seite und bin Sekunden sp├Ąter wieder einged├Âst.

Fr├╝hst├╝ck gibt es ab 6:30, einer der gro├čen Sympathiepunkte der H├╝tte. Der Wecker ist auf 5:45 gestellt, zur Sicherheit, aber es w├Ąre ziemlich das erste Mal, dass ich auf einer Bergh├╝tte den Wecker brauche. Hier oben ist der Kopf frei und die innere Uhr funktioniert.


Tag 2

Tats├Ąchlich wache ich in super ausgeschlafen vor dem Wecker auf und kann die Morgenw├Ąsche in der D├Ąmmerung ganz entspannt drau├čen am Holtrog zelebrieren. ├ťber dem See wirbeln kleine Nebelschwaden herum und l├Âsen sich genauso schnell auf wie sie sich bilden. Ein Murmeltier l├Ąuft mutig den Weg hinunter Richtung See. Ich nehme mir vor, sp├Ątestens um 7:30 los zu laufen, wei├č aber aus Erfahrung, dass das eh nicht klappen wird.

Das Fr├╝hst├╝ck gibt es ungewohnt fertig auf dem Tablett. 2 Sorten Brot, eine Scheibe Hefezopf, Wurst, K├Ąse, Marmelade und M├╝sli mit Joghurt. Kaffee auch nat├╝rlich. Daheim bin ich erkl├Ąrter Nicht-Fr├╝hst├╝cker, aber auf Tour brauche ich die morgendliche Kalorienzufuhr. Ich habe ein nettes Gespr├Ąch mit dem Paar aus M├╝nchen am Nachbartisch, die ich denke ich ein wenig mit meiner Begeisterung f├╝r Weitwanderungen anstecke. Ich hole mir einen zweiten Kaffee. Auf einem Bein kann man nicht stehen, oder so. Bis ich dann meinen Kram ger├Ąuscharm aus dem Zimmer bugsiert und mich umgezogen habe, alles verstaut ist und die Wasserflaschen aufgef├╝llt sind ist es doch wieder nach 8:30 geworden. Ich werfe noch ein paar Gr├╝├če in die Runde und mache mich in der Morgenluft auf den Weg. Schon jetzt braucht man auf 1600m keine langen Klamotten mehr, was einen mehr als nur warmen Tag verspricht. Ein paar einsame Schafw├Âlkchen grasen am Himmel. Kaiserwetter.

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Ich laufe ein St├╝ck des Weges wieder zur├╝ck in Richtung Saugasse. Dabei begegnet mir keine Menschenseele, nur Murmeltiere, Salamander, V├Âgel und Massen an emsigen Insekten. Hummeln und dicke K├Ąfer brummen vorbei, und kein Flugzeugl├Ąrm st├Ârt die Idylle. Nach einer guten halben Stunde zweigt mein Weg nach links ab, und ich folge dem teils ├╝berwachsenen Oberlahnersteig in Richtung Trisch├╝bel-Pass. Schon nach kurzem ├Ąndert sich die Umgebung komplett. Teils ein wenig ausgesetzt geht es auf und ab, wobei es erst einmal mehr ab als auf ist. Sporadisch helfen eiserne Tritte und Stahlseile, wobei ich letztere bei dem trockenem Boden nicht brauche.

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Der Weg wird immer urspr├╝nglicher, und ich wandere zwischen Farnen und tellergro├čen Bl├Ąttern hindurch. Die Temperatur geht steil nach oben, aber es gibt immer wieder Schatten und eine leichte Brise, so dass es ertr├Ąglich ist. Manchmal ist der Weg hier abseits von der Wanderautobahn der Saugasse nur zu erahnen, aber genau das ist ja was Natur ausmacht.

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An der Einm├╝ndung des Wegs von Bartholom├Ą zur Sigeretplatte begegnen mir zum ersten Mal andere Wanderer, zwei Holl├Ąnder die allem Anschein nach die Watzmann├╝berschreitung gemacht haben. Ein kurzes Hallo, und sie traben Talw├Ąrts an mir vorbei. Ich kletter Holzleitern hoch und balanciere auf Karstfelsen.

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Ich genie├če die Aussicht auf tief eingeschnittene Rinnen und bekannte Berge in der Entfernung.

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An einer Kuppe treffe ich auf eine Gruppe aus Franken (man begegnet irgendwie auf jeder Tour einer Gruppe aus Franken) und wir stehen eine Minute lang an einer schattigen Stelle bevor sich die 4 wieder in Bewegung setzen und eiligen Fu├čes Richtung Tal weiterziehen. Ich gehe die n├Ąchsten paar hundert Meter gem├╝tlich weiter, als mir auf einem Felsen eine Gopro Hero an einem Selfie-Stick entgegen winkt. Ich hole tief Luft, schnappe mir den Stab und laufe (ja, laufe, und das bei der Hitze) den Franken hinterher. Die haben schon deutlich mehr Strecke gemacht als ich gedacht h├Ątte, und so kommen einige ungeplante H├Âhenmeter dazu bis ich endlich in Rufweite bin. Es stellt sich heraus dass die Kamera nicht ihnen geh├Ârt und schon vorher da lag. Ich stehe also eine Minute herum um wieder zu Atem zu kommen, als es herauf ruft, dass der Eigent├╝mer der Kamera gefunden w├Ąre. Eine Minute sp├Ąter trabt auch schon einer der Holl├Ąnder zu mir herauf, ohne Ausr├╝stung und triefend vor Schwei├č. Meine Rechnung sagt, dass er jetzt zus├Ątzlich zu seiner Tour noch mehr als 300hm gejoggt ist. Zum Gl├╝ck f├Ąllt er mir nicht um den Hals, aber er bedankt sich ├╝berschw├Ąnglich, dass ich ihm das Teil entgegen getragen habe. Sofort berichtet er der Kamera ├╝ber seinen Faux Pas, und ich vermute, ich bin bald irgendwo auf Youtube zu sehen.

Das letzte St├╝ck zum Trisch├╝bel hinauf wird wieder flacher, und ├╝ber den Kamm streift ein angenehmer Wind.

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Beschwingt bezwinge ich die letzten Anstiegsmeter der Tour und Raste dann im Schatten einer Latschenkiefer, trinke noch einmal ausgiebig - sowohl physisch als auch die Bergromantik - bevor es dann wieder steiler durch lichten Wald in Richtung Wimbachgries hinab geht.

Das Wimbachgries ist ein riesiges, mit feinem Geschiebe gef├╝lltes Tal, eine W├╝ste mitten im Gr├╝n der Berchtesgadener Alpen. Zur Schneeschmelze schie├čt das Wasser nur so hinab, aber jetzt gluckst alles tief unter den F├╝├čen versteckt durch den Sand und kaum ein Tropfen Feuchtigkeit sieht die Oberfl├Ąche.

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Ich treffe auf eine Einheimische, die die ├ťberschreitung des Trisch├╝belpasses als Tagestour macht, und wir plaudern nett bis wir an die Wimbachgriesh├╝tte kommen. Hier ist es auch vorbei mit der Einsamkeit der Berge, denn die ist ein beliebtes Tagesziel f├╝r Tagestouristen aus den Pensionen und Hotels in der Umgebung. Sie geht weiter, aber ich g├Ânne mir einen Spezi und eine Gulaschsuppe. Auf Kalorien muss man in den Bergen zum Gl├╝ck nicht achten.

Die Sonne flimmert schon ├╝ber den Steinen als ich mich wieder auf den Weg mache. Die Aussicht auf die umliegenden Berge ist spektakul├Ąr. Rechts thront der Watzmann mit seiner Familie, links drohen die steilen Flanken des Blaueis-Massivs. Ich gehe wegen der Aussicht in der Mitte des Grieses, nicht am schattigen Weg an der bewaldeten Bergflanke, um meine Aussicht zu maximieren, und folge den Fahrspuren des H├╝ttenwirts und der Nationalparkfahrzeuge.

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Ein paar Bergl├Ąufer schlie├čen zu mir auf, die wohl die Watzmann├╝berschreitung oder -umrundung laufenden Schrittes gemacht haben. Ihre Beine sind schon etwas m├╝de, w├Ąhrend meine noch keine Ruhe geben wollen, und so trabe ich - es ist mehr schnelles Wandern als Laufen - neben ihnen her Richtung Tal.

In diesem Gel├Ąnde liebe ich meine nagelneuen Gamaschen. Kein noch so kleines Steinchen findet seinen Weg in meine Schuhe. Super leicht, ├Ąhnlich wie die international so beliebten Dirty Girls, aber mit einem gut befestigten Kunststoffclip vorne anstelle des etwas bei den Dirty Girls etwas fragw├╝rdigen Metallhakens. Der Klett an der Ferse haftet wie eine Eins am Gegenst├╝ck meiner leichten Trailrunner, die auch nach 800km in den Bergen immer noch keine Aufl├Âsungserscheinungen zeigen.

20 Minuten sp├Ąter und kurz nach dem Wimbachschlo├č - offizielle Gehzeit 1:45 von der Wimbachgriesh├╝tte - treffe ich die Bekanntschaft von vorhin wieder und wir ratschen gem├╝tlich den Rest des Weges an der Wimbachklamm vorbei hinunter, jetzt wieder mit mehr Schatten, ├╝ber unsere Faszination mit den Bergen, ├╝ber ├ängste und Tr├Ąume und verr├╝ckte Erfahrungen in den Bergen, ├╝ber dies und das. Wir sehen unterwegs ein paar gr├╝ne Eidechsen am Wegesrand, die hier mittlerweile extrem selten geworden sind.

An der Wimbachbr├╝cke muss ich mich hastig verabschieden, denn der st├╝ndliche Bus nach Berchtesgaden geht in 2 Minuten, und ich komme genau passend um mir am Brunnen neben der Haltestelle den Schwei├č vom Kopf zu waschen bevor der Bus einf├Ąhrt. Um 15:55 bin ich dann schon zur├╝ck am Jennerbahn-Parkplatz bei meinem Auto, etwa 2 Stunden fr├╝her als geplant.

Beim Heimfahren grinse ich vor mich hin. Ich hatte alpine Momente, bin durch Urwald gewandert und durch eine kleine W├╝ste. Mein Kopf war nur im hier und jetzt, gef├╝llt mit wunderbaren Eindr├╝cken. Nach dem ganzen Corona-Wahnsinn war dieses Wochenende eine Infusion an Lebensfreude.
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ÔÇó Geschichte der (historischen) Alpenvereinsh├╝tten

Re: Eine Nacht am Funtensee

Beitrag von Woiddeifi » 13. Jul 2020, 16:39

Sehr sch├Âner Bericht mit wunderbaren Bildern !

Servus
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Lampi
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Re: Eine Nacht am Funtensee

Beitrag von Lampi » 15. Jul 2020, 11:04

danke f├╝r den tollen Bericht. Dass sich Leute in unserer Bilder├╝berfluteten Zeit noch die M├╝he machen, ist toll.
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