Rassiger, messerscharfer Grat – auf dem Weg zur Gabelspitze – Lechtaler Alpen

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Miri_87
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Rassiger, messerscharfer Grat – auf dem Weg zur Gabelspitze – Lechtaler Alpen

Beitrag von Miri_87 » 12. Jul 2019, 10:53

Die Heiterwand…für viele kein Begriff? Na dann guckt sie euch mal näher an…

Am 06.07.19 entschieden wir nach längerem hin und her spontan, die Gabelspitze musste her. Zu dritt ging es recht spät am Hahntenjoch mit Christian83 und Flo los zum Steinjöchl. Recht wenig los auf der Strecke, was war hier los? Man kennt die Gegend doch etwas überlaufener. Denn auf der anderen Seite des Steinjöchls steht doch prächtig gelegen, die Anhalter Hütte da.
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Namlose Wetterspitze


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Blick zum Falschen Kogel


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Blick zum Maldongrat

Schnell war der Abzweig zum Maldongrat eingeschlagen, dort waren wir doch alle schon einige Male unterwegs. Die wenigen anderen Menschen bogen alle zum Falschen Kogel ab. Nur einen Wandersmann sahen wir in der Ferne schweben. Gemütlicher, sanfter Felsenweg, leicht ansteigend, nie schwer. Doch dann kamen wir um eine Ecke, die ersten Schneefelder waren in Sicht. Oh nein, keine Lust mehr auf Schnee…

Wir hofften insgeheim, dass nicht noch größere Schneefelder kamen, denn zum Überstieg zur Gabelspitze sollten einige Passagen in den Nordbereich einschlagen.

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Auf dem direkten Grat zum Maldongrat



Nach ein paar Kehren war klar, der Schnee wurde mehr und die finale Aufstiegsrinne zum Maldongrat war voller Schnee. So entschieden wir schnurstracks, auf den obigen Grat aufzusteigen. Dieser erwies sich gleich als erste Herausforderung fĂĽr unseren noch ungeĂĽbten Reitgratgeher Christian. Der Adrenalinpegel stieg an, bevor wir den ersten Gipfel erreichen konnten. Dennoch erreichten wir schon bald den Maldongrat mit seinen 2544m ĂĽ NN und waren stolz wie Oskar.
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Blick zur Gabelspitze



Am Horizont zogen Wolken auf, wollte die Gabelspitze uns heute etwa schon wieder nicht sehen? Hier oben trafen wir auch auf den zu Anfang erspähte Wandersmann und diskutierten eifrig über die Wettersituation. Ach, ein Stück antesten wollten wir dann schon wagen.

So ging es ab jetzt zu 4 weiter, immer die Gabelspitze fest im Blick. Die Nordseitigen Passagen zeigten sich hier, welch Freude, fast schneefrei. Sodass ein Weiterkommen gut möglich war. Fleißige Steinmänner zeigten uns den Weg durch die kantigen, spitzigen Pfade. Unsere neue Begleitung laß aus seiner Tourenbeschreibung vor „ständig wechselnde Gesteinsarten anzutreffen“. Ja, das trifft es sehr gut, 5 Schritte im festen Felsen, die nächsten 10 hatte man dann fußballgroße Felsbrocken einfach so in der Hand. Obacht war hier geboten, kein Fehltritt, alles gut prüfen.

Da, wir erblickten in der Ferne eine kleine Herde Steinböcke, sie schauten alle samt zu uns herüber. Langsam pirschten wir uns an, sie verweilten lange auf ihrem Standpunkt. Bis wir wenige Meter vor ihnen standen, stiegen sie kurzerhand ganz galant im steilen Nordhang ein Stück ab. Steinbock müsste man sein :) ;)
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Steinbockherde


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Mit Blick auf die Anhalter HĂĽtte
Für uns ging es weiter auf diesem Traumgrat, rassig, zackig, schrofig, messerscharf. Einmal nicht richtig aufgepasst, der Fels etwas stärker angepackt, Schon schoss das erste Blut aus den Fingern oder dem Knie. Alles halb so wild, hier oben gehört das irgendwo auch ein Stück dazu.

Auf Hikr wird diese Tour als „Genusstour“ tituliert, ich würde das direkt auch so unterschreiben. Die meiste Zeit geht es direkt oben auf dem Grat entlang. Bis wir kurz vor dem Gipfelkreuz die überall gefürchtete, angepriesene 8 Meter Stelle vor uns lag. Erst später in der Nachbesprechung war überhaupt klar, dass das diese Stelle gewesen sein musste. Kleine Tritte ja, II-Stelle, ja ok, aber für einen geübten Bergsteiger kein größeres Problem. Unser Christian, eher Neuling in den Grattouren, entschied sich nach dem zuvor gemeisterten Reitgrat hier einen Wartepunkt einzulegen. So stiegen wir zu dritt weiter, flink zum Gipfelkreuz. Ließen die Blicke schweifen, weiter hinüber zum Heiterwandhauptgipfel…ja, Gelände zum Fürchten, oder auch nicht. Kein Gelände für uns heute, die Wolken hingen zwischenzeitlich tiefer, ein Wind zog auf. Wenig Zeit für eine kurze Rast, dann stiegen wir wieder fröhlich zu Christian zurück.
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GipfelglĂĽck Gabelspitze


Mit ihm im Gepäck ging es also zu viert wieder den selben Weg zurück. Wenige Tropfen vom Himmel verfolgten uns auf dem Weg. Eine Stunde hin eine Stunde wieder zurück, wir lagen gut in der Zeit. Endlich eine große Pause am Maldongrat, über den Abstieg am großen Schneefeld philosophiert. Alles Philosophieren brachte nix, runter mit uns aber flott. Schneefeld queren oder nicht, alte Spuren zeigten diesen Weg. Wir entschieden uns an der Randkluft im total brüchigen Felsen hinab.

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Randkluftbegehung


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Schneefeld im Ab/Zustieg Maldongrat



Schwitzend erreichten wir den Normalweg und waren geschwind wieder am Steinjöchl zurück. Noch den Falschen Kogel easy mitgenommen, dann brachen wir zum Auto auf. 5 Minuten vor dem Parkplatz ging es dann los, der Wind pfiff durch das Hahntenjoch, die dortig aufgestellten Schilder flogen uns schon fast um die Ohren. Der Regen peitschte innerhalb von Sekunden vom Himmel, wir konnte uns gerade noch ins Auto retten, bevor es richtig los ging.

Eine gemütliche Einkehr im schönen Gasthof „zur Gemütlichkeit“ in Bschlabs durfte es dann zum Abschluss auch noch sein. Später auf den Bildern sahen wir dann bei genauerem Hinsehen, wieso so wenig dort eigentlich los war. Die Fensterläden der Anhalter Hütte sind ja alle zu. Das Internet beschrieb es dann – bis 2021 geschlossen.

Vielen Dank fĂĽr diese absolut geniale Tour mit euch,
Miri
I like freaks, because I am one ;)

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