Zum Astjoch ├╝ber der L├╝sener Alm

Habt ihr eine sch├Âne Tour gemacht, oder m├Âchtet einfach euer Bergerlebnis mit anderen teilen? Dann passt das hier rein.
Forumsregeln
Hinweis: Die Betreiber der Webseite behalten sich vor, Beitr├Ąge, die nicht zur Beschreibung des ausgew├Ąhlten Forums passen, ersatzlos zu l├Âschen.
Antworten
Kochertaler
Beitr├Ąge: 7
Registriert: 12. Feb 2020, 09:33
Wohnort: Nord├Âstliches Baden- W├╝rttemberg
Interessen: 1963 in Stuttgart geboren, zur Zeit wohnhaft im nord├Âstlichen Baden- W├╝rttemberg. Ich mag: Wandern, klettern bis zum 2. Schwierigkeitsgrad, das Meer, barfu├č laufen (es gibt an warmen Sommertagen nichts sch├Âneres), Tiere beobachten, Modelleisenbahn.

Zum Astjoch ├╝ber der L├╝sener Alm

Beitrag von Kochertaler » 12. Feb 2020, 12:01

Anfang Juni 2012 hatte ich mich f├╝r ein paar Tage in einer Bauernhofpension oberhalb von L├╝sen (in einem Nebental des Eisacktals unweit der Plose) einquartiert.

Gleich am ersten Tag startete ich morgens fr├╝h durch sch├Ânen Bergwald in Richtung Tulperhof. Diesen Berggasthof (bis hierher auch Fahrgelegenheit) erreichte ich nach einer knappen Stunde ziemlich steilen Anstiegs. Ich verweilte jedoch nicht, sondern ging gleich weiter durch den Bergwald hinauf in Richtung L├╝sener Alm. In einer H├Âhe von ungef├Ąhr 1800 Metern gab mich der Bergwald (bestehend aus Fichten und Zirben) dann frei. Die L├╝sener/ Rodenecker Alm, diese weite freie Hochfl├Ąche, war erreicht. Es gab erste sch├Âne Bergblumen wie etwa den st├Ąngellosen Enzian zu bestaunen. Und zum ersten Mal war auch der Peitlerkofel (2874 m) in seiner ganzen Pracht zu sehen. An ihm hatte es in dieser fr├╝hen Jahreszeit noch ziemlich viel Schnee. Aber hier auf der L├╝sener Alm war der Bergfr├╝hling mit seiner besonderen Bl├╝tenpracht in vollem Gange. ├ťbrigens hatte ich bis hierher kaum einen Menschen getroffen.

Inzwischen war es auch ziemlich hei├č geworden. Nun ging es jedoch in recht moderatem Anstieg weiter bis zur Starkenfeld- H├╝tte (1938 m). Diese sah sehr einladend aus mit ihrem Gastgarten, der im Freien herrlich in der Sonne lag (samt Logenplatz vor dem Peitlerkofel). Eine urig- z├╝nftige S├╝dtiroler Bergh├╝tte.

Bis hierher hatte ich von meinem Quartier ungef├Ąhr zwei Stunden gebraucht. Aber ich wollte unbedingt gleich weiter zum Astjoch und mir die Einkehr f├╝r den R├╝ckweg aufheben. Zuerst ging es leicht aufw├Ąrts nochmals durch Almgel├Ąnde, das von einigen B├Ąumen bestanden war. Und dann kam der Schlussanstieg auf das Astjoch. Dieser war nochmals recht steil.

Das Astjoch ist ├╝brigens kein "Joch" im Sinne eines Einschnitts, sondern ein deutlicher 2193 Meter hoher Berggipfel. Der Schlussanstieg (nochmals ca. eine halbe Stunde, knapp drei ab meinem Qaurtier) war nochmals etwas kr├Ąftezehrend. Aber dann hatte ich es geschafft: Das Astjoch mit seinem Gipfelkreuz (an dem ich mit der Hand anschlug; so mache ich das immer :-) ) war erreicht.

Der Blick schweifte ├╝ber die "Dolomitenprominenz" (Peitlerkofel, Geislerspitzen, Pragser Berge, Sextener mit dem Haunold und den Drei Zinnen) bis zum Gro├čglockner, dem Gro├čvenediger, den Villgratner Bergen, den Zillertalern (mit den vorgelagerten "Pfunderern") und den Stubaiern bis hin zu den Sarntaler Alpen. (Letztere sind f├╝r mich ein verstecktes "Juwel"; nicht ├╝berlaufen mit herrlichen Wanderrevieren direkt vor den Dolomiten). Auch das Pustertal von seiner Einm├╝ndung in das Eisacktal bis zur Grenze nach ├ľsterreich hinter Toblach lag vor mir wie ein gro├čes aufgeschlagenes Buch. Oder kurz zusammengefasst: Die Aussicht sucht ihresgleichen; vor allem bei dem guten Wetter, das ich erwischt hatte!

Ich hatte auf dem Gipfel auch noch einige nette Begegnungen. Zum Einen war da die S├╝dtiroler Familie, die ihre Pension f├╝r einige Tage geschlossen hatte (Betriebsferien). Und nun hatten sie eine Tour auf ihren Hausberg, das Astjoch ├╝bernommen: Opa, Oma, Vater, Mutter und die Enkelin (die aber auch schon um die 20 war). Mit ihnen kam ich sehr nett ins Gespr├Ąch. Genauso wie auch mit einem S├╝dtiroler Wanderf├╝hrer, der einige Senioren hier heraufgef├╝hrt hatte. Er war es auch, der mir mit gro├čer Freundlichkeit das umfassende Bergpanorama erkl├Ąrte. Ich kenne mich zwar alpingeographisch recht gut aus, aber er als Einheimischer wusste nat├╝rlich noch mehr.

Nach einer knappen Stunde Aufenthalt auf dem Gipfel machte ich mich an den Abstieg. Nach vielleicht einer knappen Stunde erreichte ich wieder die Starkenfeld- H├╝tte. Hier genehmigte ich mir im Gastgarten vor dem Peitlerkofel zwei Gl├Ąser S├╝dtiroler Orangenlimonade (das Hefeweizen sparte ich mir f├╝r den Abend in der Pension auf). Dann ging es vollends an den Abstieg ins Quartier.

Der R├╝ckweg erfolgte auf dem Anstiegsweg. Ich unternehme auch sehr gerne Rundwanderungen. Aber auch dann, wenn der Abstiegsweg gleich ist wie der Anstiegsweg, ergeben sich immer wieder neue Ausblicke...

Im Quartier angekommen (nach ca. 5 Stunden reiner Gehzeit) befreite ich mich erst mal von den Bergstiefeln (sie m├╝ssen sein, aber zu warme und eingesperrte F├╝├če kann ich eigentlich nicht ab; Bergstiefel aus und dann barfu├č im Pensionszimmer, das ist ein zus├Ątzlicher Genuss...), duschte und f├╝hlte mich danach in jeder Hinsicht rundum zufrieden. Dazu trugen auch die beiden Hefeweizen bei, die ich mir zum Abendessen schmecken lie├č.

Fazit: Es m├╝ssen nicht immer die ganz hohen Gipfel sein. Und es gibt gerade auch in S├╝dtirol herrliche Gebiete, die nicht ├╝berlaufen sind, aber einem trotzdem die gro├čen und kleinen Freuden des Bergwanderns erm├Âglichen.

BitPoet
Beitr├Ąge: 19
Registriert: 17. Jun 2018, 18:46
Interessen: Langstreckenwandern, Schreiben, Lesen, Kochen (und nat├╝rlich Essen...). Ja, ich bin ein Genussmensch :-)

Re: Zum Astjoch ├╝ber der L├╝sener Alm

Beitrag von BitPoet » 13. Feb 2020, 16:59

Danke f├╝r den sch├Ânen Bericht.

Das "nicht ├╝berlaufen" ist sehr relativ, du warst genau zur richtigen Zeit dort. Ich bin jetzt schon ein paar mal dort vorbei, da die M├╝nchen-Venedig-Route direkt ├╝ber die L├╝sener Alm f├╝hrt (Niedervintl - Roner Alm - Kreuzweisenalm und dann am n├Ąchsten Tag weiter ├╝ber den Gampill - Maurerbergh├╝tte - W├╝rzjoch und um den Peitlerkofel herum zur Schl├╝terh├╝tte). Ab Ende Juni bis Anfang September herrscht dort richtig Trubel, im Juli + August sind die H├╝tten mit Garantie zum bersten voll. Gerade Anfang Juni oder sp├Ąter im September sind aber die sanften Gipfel wie Astjoch und Gampill perfekte Aussichtspunkte, die Luft ist noch oder wieder klar, und wie du schreibst, die Panoramen sind super.

Kochertaler
Beitr├Ąge: 7
Registriert: 12. Feb 2020, 09:33
Wohnort: Nord├Âstliches Baden- W├╝rttemberg
Interessen: 1963 in Stuttgart geboren, zur Zeit wohnhaft im nord├Âstlichen Baden- W├╝rttemberg. Ich mag: Wandern, klettern bis zum 2. Schwierigkeitsgrad, das Meer, barfu├č laufen (es gibt an warmen Sommertagen nichts sch├Âneres), Tiere beobachten, Modelleisenbahn.

Re: Zum Astjoch ├╝ber der L├╝sener Alm

Beitrag von Kochertaler » 17. Feb 2020, 12:39

Ja, das stimmt: Anfang Juni war ich noch deutlich au├čerhalb der Hauptreisezeit unterwegs, und wie es danach ist, kann ich nicht beurteilen. Aber es ist auf jeden Fall eine wundersch├Âne Tour; auch f├╝r diejenigen, die weniger ge├╝bt oder weniger ausdauernd sind. F├╝r sie besteht ja z.B. auch die M├Âglichkeit der Anfahrt bis zum Tulperhof (1625m) oder zum Parkplatz Zumis (1725 m). Vom Parkplatz Zumis her bin ich letztes Jahr Anfang Juni gekommen und dann nur bis zur Kreuzwiesenalm gegangen. Das ist durchweg eine sehr angenehme Steigung. Da meine Frau nicht so berggewohnt ist, hatte ich mit ihr diese Variante gew├Ąhlt.

Der Hochsommer ist in S├╝dtirol ebenfalls sehr sch├Ân; vor allem in der H├Âhe, wo es nicht so hei├č ist. Allerdings habe ich es da schon sehr oft erlebt, dass eine ziemlich hohe Gewitteranf├Ąlligkeit besteht. Manchmal kam da an mehreren Tagen hintereinander immer zum Nachmittag bis fr├╝hen Abend hin ein ziemliches Gewitter. Einerseits kann man dann fr├╝h aufbrechen. Aber andererseits ist es auch nicht sehr sch├Ân, mit dem hereinbrechenden Unwetter um die Wette zu laufen.

Antworten