Scheiße, sind Nachtwanderungen alleine gruselig!!!

Habt ihr eine schöne Tour gemacht, oder möchtet einfach euer Bergerlebnis mit anderen teilen? Dann passt das hier rein.
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marco irgendwer
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Registriert: 6. Jan 2020, 09:22
Interessen: Wandern, Nachtwanderungen, Fahrradtouren - Abenteuer

Scheiße, sind Nachtwanderungen alleine gruselig!!!

Beitrag von marco irgendwer » 6. Jan 2020, 09:31

Hallo zusammen,

ich möchte Euch von meiner ersten Nachtwanderung berichten, welche ich, im Zuge meiner neuen Passion für persönliche Herausforderungen, auf mich genommen habe. Vor einem halben Jahr hat mich die Abenteuerlust schon mal dahingehend gepackt, dass ich mir mein Fahrrad geschnappt habe und in 6 Tagen von München nach Köln geradelt bin.

So aufregend und beeindruckend diese Reise auch war - besonders weil man so viel über sich selber erfährt und den Kopf freibekommt - werde ich dies NIE NIE NIE wieder tun!!

ALTER, was hat mir mein Arsch weh getan!!

Ja ja - man gewöhnt sich daran Bla Bla Bla - es ist nur am Anfang hart… Bla Bla Bla.
Ganz miese Propaganda-Scheiße!! Fallt da bloß nicht drauf rein! 🙈

Kurz um, Fahrrad-Abenteuer sind für mich gestorben - ebenso wie Teile meines Hinterns!

Also brauchte ich ein neues Ziel.
Auf Instagram stieß ich auf Fotos und Videos von Sonnenaufgängen in den Bergen, welche mir den Atem, vor majestätischer Schönheit, raubten.
Alles klar - da muss ich auch hin.

Ich bin kein Neuling, was das Wandern in den Bergen angeht - so habe ich doch schon etliche Touren hinter mir. Jedoch noch niemals in der Dunkelheit bzw. in der Nacht. Aber wie schwer kann das schon sein, dachte ich mir - zack Stirnlampe und Co bestellt und los ging es.

Um meine Chance zu erhöhen, den Sonnenaufgang alleine auf dem Gipfel erleben zu können (außerdem wollte ich niemanden mit meiner Drohne stören), suchte ich mir einen Berg ohne Lift und Hütte aus. Somit fiel meine Wahl auf den Bodenschneid, am Spitzingsee.
Ich entschied mich fürs Vorschlafen und stand um 1 Uhr nachts auf und machte mich auf den Weg. Der Sonnenaufgang war, laut Wetterbericht, für 7 Uhr morgens angesetzt.

Easy - das sollte locker zu schaffen sein.

Ich traf am Parkplatz so gegen halb drei ein und wurde schon etwas beunruhigt als ich dort einen parkenden Reisebus vorfand!!! Soviel zum Thema total abgeschiedener Berg. Klasse recherchiert Marco! 🤦‍♂️

Egal, nur weil hier ein Bus steht, heißt das ja noch lange nicht, dass die alle auf meinen Berg wollen - schon gar nicht des Nachts!
Also marschierte ich los.

Hmmmm - leck mich am Arsch ist das unheimlich so ganz alleine. Besonders, wenn es dann durch waldige Gebiete geht und man sich gefühlt alle fünf Minuten in die Hose scheißt, weil es um einen herum andauernd knackst oder im Unterholz raschelt.

Hätte ich doch bloß niemals Blair Witch Project gesehen!!! 😱

Aber mal von der Hosenscheißerei abgesehen, hat es irre Spaß gemacht, weil es einem eine noch ganze andere Seite des Wanderns aufzeigt. Noch nie habe ich so drauf geachtet wohin ich trete - um nicht in der Dunkelheit auszurutschen.
Gut - fairerweise muss man natürlich auch sagen, dass es ja nachts im Wald auch nicht viel anderes gibt, auf das man achten könnte bzw. sehen kann 😜

Nebenbei bemerkt war mir auch nicht bewusst, dass Kühe nachts auch wach und aktiv sind. Jedenfalls fand ich so viele Kühe stehend und fressend auf den Weiden vor.
- Schon eigentlich erschreckend wie wenig man als Stadtmensch noch von der Natur weiß.
Mein Opa (war früher Bauer) würde sich in Grund und Boden schämen und mit den Augen rollen, wenn er mich und meine Fragen hier sehen würde!

Nachdem ich den Kühen als auch den gefürchteten Waldgeistern entgehen konnte (ich hatte sogar Pfefferspray dabei - man weiß ja nie, ob Bruno noch einen Bruder hat) näherte ich mich dem Gipfel so gegen 5 Uhr morgens und konnte mich an der phantastischen Aussicht erfreuen - NOT!

Stattdessen empfing mich das Gipfelkreuz mit eisigen Seitenwinden - die selbst durch meine, extra für den Trip erworbene, neue Softshell-Jacke durchpfiffen und mich entsetzlich frieren ließen. Nur der Betonklotz des Kreuzes bot ein bisschen Schutz vor den kalten Böen - hinter dem ich mich dann kauerte und wieder fragte, was zum Teufel ich hier nun wieder mache!

Doch als dann ab 6 Uhr langsam die Dämmerung einsetze wurde ich für alles entschädigt. Der Anblick, als ich zum ersten mal die Konturen, der gegenüberliegenden Berge, im noch ganz schwachen Morgenrot, ausmachen konnte überzog mich erneut Gänsehaut - aber diesmal nicht der Kälte wegen.
Ich habe schon viele Sonnenaufgänge erlebt, ebenso wie die Aussicht, mit der man belohnt wird, wenn man ein Berg in die Knie gezwungen hat und auf die Welt herabblickt.

Aber dies ist alle Kindergeburtstag, im Vergleich was mir jetzt dort geboten wurde - Wahnsinn!

Bei dem Anblick vergißt man alles um sich herum!
- Gut, bis auf die acht anderen Idioten, die sich jetzt auch neben mir auf dem Gipfel eingefunden haben und auch alle angepisst waren, dass sie nicht die einzigen hier sind. 🤬

Wie gesagt, klasse Recherche-Arbeit, Marco. Du bist einfach der Beste.

Aber egal. Das mir hier gebotene Schauspiel entschädigte mich dennoch für alles. Ich genoß den Augenblick noch eine Weile und fing ein paar Video und Fotos ein, bevor ich mich etwas vom Gipfel entfernte, um die Drohne noch aufsteigen lassen zu können.

Auch wenn es natürlich schöner gewesen wäre, ich hätte den Gipfel alleine vorgefunden, so war es dennoch ein unvergessliches Erlebnis und ein weiteres Abenteuer, das einem wieder einmal eine tolle Möglichkeit gab, dem Alltag für eine kurze Zeit zu entfliehen. Denn während man unten in Todesangst durch den creepy Wald läuft und um sein Leben bangt und hofft keinen Hexen oder anderen Monstern zu begegnen verschwendet man keine Sekunde an banale Gedanken oder an berufliche Probleme oder Termine.

Man lebt nur im hier und jetzt - und nur darum geht es doch!

Ich kann nur jedem ans Herz legen dies auch mal zu machen.
Das Gefühl, das einem beim Anblick des Sonnenaufgangs überkommt, ist unbeschreiblich erhaben und episch.

Ihr müsst es ja nicht so wie ich alleine machen. In der Gruppe ist es bestimmt weniger gruselig:)

Aber recherchiert besser als ich und sucht euch einen einsamen Berg :) oder geht zumindest unter der Woche.
Falls jemand weitere Eindrücke von meiner Nachtwanderung haben möchte, ich habe meine gesamte Tour auf YouTube dokumentiert:
https://youtu.be/akdcIHRL1gw

Ich hoffe, ich konnte Euch ein bisschen inspirieren. Bin aber auch an Euren Erlebnissen interessiert.
Wer von Euch hat auch schon mal eine Nachtwanderung absolviert und/oder kann mir einen Tipp für einen einsamen Berg geben - für meine nächste Nachtwanderung
😃

Jetzt hab´ ich Blut geleckt.
Freu mich auf Eure Antworten.


LG
Marco

webmeister
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Re: Scheiße, sind Nachtwanderungen alleine gruselig!!!

Beitrag von webmeister » 6. Jan 2020, 20:28

Schicker Bericht, danke dafür :)
marco irgendwer hat geschrieben: ↑
6. Jan 2020, 09:31
Hmmmm - leck mich am Arsch ist das unheimlich so ganz alleine.
Nur in dem Punkt muss ich dir widersprechen: Wovor denn Angst haben? Ist doch sonst niemand da :D
marco irgendwer hat geschrieben: ↑
6. Jan 2020, 09:31
Wer von Euch hat auch schon mal eine Nachtwanderung absolviert und/oder kann mir einen Tipp für einen einsamen Berg geben - für meine nächste Nachtwanderung 😃
Bislang war ich hauptsächlich deswegen bei Nacht unterwegs, weil's am Gipfel so schön war und ich zu spät wieder runter bin. Für gezielte Nachtwanderungen bevorzuge ich kurze Zustiege, damit man nicht ganz so früh aus dem Bett muss. Spontan fallen mir da zwei ein, die ich mal gemacht hab: den Lusen im Bayerischen Wald und den Kofel bei Oberammergau. Wirklich einsam war's bei beiden nicht, aber das zeigt ja nur, dass es auch anderen gefällt :)

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Re: Scheiße, sind Nachtwanderungen alleine gruselig!!!

Beitrag von Lampi » 7. Jan 2020, 11:48

Übrigens: Ältere Kühe schlafen im Stehen, weil sie so schlecht aufstehen können. Beliebte Mutprobe halbwüchsiger Eingeborener ist daher: Kühe umwerfen. Danach sind sie allerdings wach und ziemlich sauer.
Exklusiv Klettern mit Stuttgarts kleinster Sektion, kein Lärm, kein Anstehen, familiäres Umfeld: https://www.facebook.com/pg/CannstattClimbers/events/

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Re: Scheiße, sind Nachtwanderungen alleine gruselig!!!

Beitrag von Alpenspezi » 7. Jan 2020, 17:01

webmeister hat geschrieben: ↑
6. Jan 2020, 20:28
... Wirklich einsam war's bei beiden nicht, aber das zeigt ja nur, dass es auch anderen gefällt :)
Ja leider ...
Nachtwanderungen in freier Bergwelt sollten, aus Rücksicht auf die Tiere, eigentlich nicht gemacht werden. Da sie, die Tiere, oft am Tage schon ausgiebig durch die Gegend gescheucht werden sollten sie wenigstens in der Nacht ihre Ruhe haben!

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Re: Scheiße, sind Nachtwanderungen alleine gruselig!!!

Beitrag von Frank Steiner » 8. Jan 2020, 23:16

bevor ich mich etwas vom Gipfel entfernte, um die Drohne noch aufsteigen lassen zu können
Die nächste Pest in den Bergen.
Ab mit den Kindern in die Berge: http://www.familiesteiner.de/wandern

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Re: Scheiße, sind Nachtwanderungen alleine gruselig!!!

Beitrag von Lampi » 9. Jan 2020, 11:36

Alpenspezi hat geschrieben: ↑
7. Jan 2020, 17:01
webmeister hat geschrieben: ↑
6. Jan 2020, 20:28
... Wirklich einsam war's bei beiden nicht, aber das zeigt ja nur, dass es auch anderen gefällt :)
Ja leider ...
Nachtwanderungen in freier Bergwelt sollten, aus Rücksicht auf die Tiere, eigentlich nicht gemacht werden. Da sie, die Tiere, oft am Tage schon ausgiebig durch die Gegend gescheucht werden sollten sie wenigstens in der Nacht ihre Ruhe haben!
Ich denke, auf einen mehr oder wenigger kommt es nicht an. Und wenn, dann sind es eher die Kollegen ohne jegliches Naturverständnis, die einen Schlitten mit nem Ghettoblaster drauf übern Forstweg ziehen und so locker Lärm für 100 machen. Oder die am Schneemobil mit dem 1000-fachen Schalldruck eines Wanderers.
Bei südseitigen Touren bleibt im Spätwinter aus Sicherheitsgründen oft keine Alternative zum Aufstieg in den letzten Nachtstunden.
Ansonsten geht der Vorwurf an die Jagd, weil die Tiere erst durch den Jagddruck schon auf so große Entfernung fliehen.

Ein Sonnenaufgang am Gipfel ist ein Erlebnis, das (fast) jedes (ältere) Kind, dessen Inspirationsfähigkeit noch nicht von Playstation & Co plattgemacht wurde, irreversibel zum Bergfan macht. Dabei muss das gar kein hoher Berg sein. Vielfach reicht schon einer der vielen Vorsprünge auf der Schwäbischen Alb.
Exklusiv Klettern mit Stuttgarts kleinster Sektion, kein Lärm, kein Anstehen, familiäres Umfeld: https://www.facebook.com/pg/CannstattClimbers/events/

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